Aktuelles
Neuerwerbung
Keramikschale, Entwurf Jean Beck, um 1923, Ausführung Tonwarenfabrik Schwandorf, Bodensignatur: Dreieckstempel Beck mit innenstehender Anbietschale, Bodenprägung B 25/II
 

Die Irrtümer der Auktionshäuser: Reichenbach für Beck angeboten
Auch Auktionshäuser müssen versuchen - es ist ihr Geschäft - mit Zuschreibungen, Belegen und Vermutungen der Wahrheit zu dienen. Aber auch ihre Mittel sind begrenzt, so kommt es dazu, mehr glauben zu müssen als zu wissen.

Auktionskatalog Fischer, 232. Auktion. Text: Georg Carl von Reichenbach (Entwurf) Kristallglasfabrik Benedikt von Poschinger, Oberzwieselau, um 1906, Zuschlag 600,00 €. Farbloses Glas, pastellviolett unterfangen. Wandung umlaufend mit drei großen und drei kleinen Glasauflagen. H. 16,5 cm Lit.: Passauer Glasmuseum, S. 40/41 (Varianten)

 
Formgleiche Ausführung mit Beck´scher Raute und Goldbemalung. Bestand: Jean-Beck-Archiv
In zwei Fällen kam es in jüngster Zeit zur seltsamen Situation, dass einem Glasentwerfer seine Autorenschaft entzogen wurde zugunsten eines anderen: aus einem Entwurf von Jean Beck wurde einer von Carl Georg von Reichenbach. Das geschah in den jüngsten Katalogen von Fischer und Quittenbaum, und weil es sich dabei um hochpreisige, qualitätsvolle Vasen handelt, soll dies nicht unwidersprochen bleiben.

Vasen nach Entwurf Becks mit Noppen und z.T. maschinengelegten Glasfäden

Widerspruch schon beim zugeschriebenen „von“ Reichenbach. Dieser war als Entwerfer kein „von“ mehr: den vom geadelten Vorfahr übernommenen Titel hatte er 1897 abgelegt aus Protest gegen die mangelnde finanzielle Unterstützung der adligen Familie beim Kunststudium und war nun Carl Georg, selbst nannte er sich „Irgl“, vermutlich abgeleitet vom bayerischen „Girgl“ = Georg (Veröffentlichung in „Das Mühlrad“, Bd. 49, Jg.1999; freundliche Mitteilung von Karl Wilhelm Warthorst).


Vasen von Beck, z.T. mit „verschmolzenen Platten“ (s.o. „mit drei großen … Glasauflagen“)


Sein Studium an der Münchner Kunstgewerbeschule führte ihn mit Jean Beck zusammen. Es gibt Gläser von beiden, die sich durch aufgelegte Noppen und frei aufgelegte Glasfäden derart ähneln, dass von einer gegenseitigen Beeinflussung oder Zusammenarbeit ausgegangen werden muss.
 
Von Beck gibt es ein Entwurfsblatt mit Vasen und Schalen mit frei aufgelegten Glasfäden und aufgesetzten Noppen von 1908 oder früher.


 
Ausgeführte Glasobjekte nach Entwürfen von Beck und Reichenbach



 
Widerspruch beim Entwurf: beide angebotenen Gläser tragen klar Becks Handschrift und sind eindeutig  zuschreibbar bzw. belegbar.
 
Abbildung bei Velhagen & Klasing, 1909, 3. Band: Entwürfe Becks mit Noppen, „verschmolzenen Platten“, Beck´scher Raute, maschinengelegte Glasfäden



Nr. 326, Auktionskatalog Quittenbaum, Auktion 117A (für 800 Euro verkauft)



Vase von Jean Beck auf dreieckiger Grundform mit abgerundeten Ecken, je drei Noppen und zu „Tränen“ verzogenen Noppen, Jean-Beck-Archiv, s. auch Abb. Velhagen & Klasing, auf dem Boden zeitgenössischer Klebezettel

Widerspruch auch bei der genannten Hütte: Benedikt von Poschinger, Oberzwieselau. Jean Becks Entwürfe wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit zu dieser Zeit ausschließlich von der Regenhütte oder der Poschingerhütte in Frauenau (selber Besitzer bzw. Pächter ist Isidor Gistl) ausgeführt, es findet sich kein Beleg für Oberzwieselau.

Den Irrtum zu ergründen ist nicht Aufgabe dieses Artikels; es sei aber darauf hingewiesen,  dass es bei manchem privaten Museum in Bayern zu leicht abenteuerlichen Zuschreibungen kommt, auf die dann Bezug genommen wird. Wo aber die öffentliche Museumsförderung so versagt, nimmt es nicht wunder, wenn unbelegte Behauptungen in den Raum gestellt und zitiert werden - schade und etwas peinlich für die „Kunststadt“ München, dass dort beide einheimische Protagonisten der Moderne weitgehend unentdeckt  und unerforscht sind.


Klebezettel unter der abgebildeten Vase. Im Kreis Jean Beck München, innen Malerschild mit „Münchner Kindl“
   

Drei Vasen Jean Becks auf dreieckiger Grundform mit den Schmuckdetails: Noppen, Tränen, Beck´sche Raute, verschmolzene Platte, Beck´sche Welle (diese erstmals nachweisbar in der Regenhütte). Mittlere Vase mit selber Glaspaste wie im Katalog Fischer


Beck im Weltkrieg: Patriotismus 1914
Natürlich konnte sich Jean Beck aus wirtschaftlichen Gründen zu Beginn des Weltkriegs dem "Hurra-Patriotismus" nicht entziehen (in guter Gesellschaft mit anderen, z.B. KPM in Berlin). Er entwarf die Serie der "Patriotischen Gläser", für deren Bemalung Franz Scholze verantwortlich war. Besonders ausgefallen ist die hier abgebildete Anbietschale mit dem Bildnis des deutschen Kaisers im Lorbeerkranz und einer schwarz-weiß-roten Bordüre. Achteckiger Ätzstempel unter der Abbildung.
Rechts eine Vase aus schwerem Kristallglas, geschnitten, Girlande über dem Boden in Achteckschliff. Achteckiger Ätzstempel. Erworben in den USA.

Patriotismus 1914  


Früher Beck im Kunstgewerbemuseum Berlin

Im Kulturforum Berlin nahe dem Potsdamer Platz sind rare Gläser von Jean Beck ausgestellt. Das Kunstgewerbemuseum zeigt in Vitrinen in der benachbarten Gemäldegalerie Jugendstilgläser, darunter auch von Jean Beck:

Zwei Weißweingläser und ein Schnapsstamperl, alle mit Wellenschliff über verschmolzenen Punkten. Produktionsjahr ab 1902, Produzent Regenhütte.
 

Anregung für Becks Holländische Landschaften:




Landschaft mit Windmühle von Ruisdael im Rijksmuseum Amsterdam

Übersetzung der Bildunterschrift: "Zurecht ist dies eine weltberühmte Malerei, Ruisdael vereinigt darauf auf beeindruckende Weise alle Holländischen Elemente  -  das Flachland, das Wasser und die Luft- und fügt sie zusammen in der holländischen Wassermühle"


 
Beck und die Serie RUISDAEL



Becks bemalte holländischen Gläser sind nun eindeutig zuordenbar. Sie tragen den Titel RUISDAEL nach dem holländischen Renaissancemaler Jakob Isaakcz van Ruisdael oder seinem Onkel Salomon, deren naturalistische Landschaften Beck bei seinem Hollandaufenthalt wohl schätzen gelernt hatte. Zunächst entstanden in diesem Stil Arbeiten für Wächtersbacher Keramik in Umdrucktechnik, im Jahr 1911 bemalte - und signierte z.T. - Beck schlichte Glasformen mit feiner Schwarzlotmalerei. Im SPRECHSAAL 1911 (s. Kopie) wurden diese Arbeiten gewürdigt.

 
   

 

TV-Auftritt zum 150. Geburtstag!

Fast punktgenau zum 150. Geburtstag von Jean Beck sendete der Bayerische Rundfunk einen Beitrag.

LIDO
Hausbesuch: Was hängt denn da?


"Wie viel verrät die Wohnung über einen Menschen, und wie viel mehr noch die Kunst, mit der er sich umgibt?
Otto F. Götz, ehemaliger Bürgermeister in Neuried, passte die Architektur seines Hauses einer Glassammlung an, deren Künstler ohne ihn längst in Vergessenheit geraten wäre. Die Suche nach immer neuen Objekten lässt ihn die ganze Welt bereisen."

Die Sendetermine waren:
BR, So., 25.11.2012, 12.00 - 12.45
BR alpha, Sa., 1.12.2012, 19.30

Die Sendung ist leider zur Zeit nicht in der Mediathek des BR enthalten.


Neuerwerbungen

 

Schale für Früchte auf Eis. Glaseinsatz  von Jean Beck mit dreifacher Welle über vier verschmolzenen "Platten". Fuß in Zinn von J.P. Kayser Krefeld,  1908 oder früher.
Abb. im Katalog Kayserzinn 1908, Fundort Bücherei des Kais. Patentamtes Berlin



 
Patriotisches Bierglas, Hütte Poschinger, Klarglas mit Schälschliff, Bemalung von Franz Scholze mit Eisernem Kreuz 1914, Kaiserkrone und W = Wilhelm.



 

Krug mit Stadtwappen Bremen, Signatur,
Prod.-Nr. 100

Trefflich vereint
- KUNST UND AUKTIONEN - 13. Januar 2012 (pdf Seite 1 / pdf Seite 2)



Trefflich vereint
- Kayserzinn und Glas von Jean Beck – einige ergänzende Anmerkungen

Köln führt auf die Spur. Die große Ausstellung zu Kayserzinn im vergangenen Jahr informierte und gab Anregungen. Und sie führte zu verschollenen Zeugnissen der engen und fruchtbaren Zusammenarbeit von J. P. Kayser, Krefeld, und dem Münchner Designer Jean Beck. Allerdings konnte die Schau nicht alle Zusammenhänge vorstellen – durch den Anstoß bekommt die Forschung jedoch neues Material (s. Gerhard Dietrich und Eckhard Wagner [Hrsg.], Kayserzinn. Engelbert Kayser. Jugendstilzinn aus Köln, Stuttgart, Arnoldsche, 2011, Rez. in KUNST UND AUKTIONEN 2011/18, S. 62).

Die Kooperation von Manufaktur und Entwerfer ist in der Abschrift eines Briefs des Prokuristen Börger von Kayser im Bayerischen Hauptstaatsarchiv schriftlich belegt. Aus ihm geht hervor, dass Beck seit 1902 Einsatzgläser für Kaysers Zinnprodukte lieferte: „Die von Herrn Beck geschaffenen feinen Gläserserien, die teils nach seinen eigenen, teils nach meinen Angaben und Entwürfen hergestellt wurden, fanden stets allseitigen Beifall…“ (BayHSt.A. Mwi, II6994). Das Musterbuch dazu stammt aus dem Jahr 1907 und ist registriert im Kaiserlichen Patentamt. Unter der Abteilung „Versilberte Tafelgeräte“ finden sich Abbildungen von kombinierten Metall- und Glasobjekten von Jean Beck mit den für den Entwerfer charakteristischen Dekordetails „Platten“ und „Welle“. Ausgeführte Objekte sind rar; etliche dürften heute unerkannt in privaten Sammlungen, Museen und Depots schlummern. Nur wenige zeitgenössische Veröffentlichungen sind bekannt. Für die Einsätze wählten Kayser und Beck eine ganz besondere, unverwechselbare Handschrift, nämlich Kristallglas mit farbigen „Platten“ – in den Glaskörper verschmolzene, leicht erhabene, zumeist grüne große Punkte, darüber eine dreifach geschliffene Girlande, die „Welle“. Ihre Gestaltung wurde in vielen Variationen während der gesamten Produktionsphase beibehalten, die nach etwa 15-jähriger kongenialer Zusammenarbeit mit dem 1. Weltkrieg endete. Mit dieser Produktpalette löste Kayser sich von überkommenen Formen des Historismus und wandte sich entschieden dem Jugendstil mit seinen Pflanzen- und Blumendekoren zu. Der Kontrast zu Jean Beck, der schon Anfang des Jahrhunderts seiner Zeit weit voraus war und im sachlichen Stil des Art-Déco entwarf, konnte nicht größer und spannender sein. Die Glaseinsätze wurden, der Zeit entsprechend und genauso wie seine Keramikentwürfe für Villeroy & Boch, Mettlach, nicht signiert. Der firmenunabhängige Designer Beck lieferte die Entwürfe (in diesem Fall auch die Gläser), nur der federführende Produzent stempelte mit seinem Namen. Glasarbeiten Becks, die vor dieser Zeit entstanden sein könnten, sind nicht zu belegen. Wahrscheinlich hat diese Zusammenarbeit für ihn den künstlerischen Durchbruch herbeigeführt. Doch wer lieferte das Glas in der geforderten hohen Qualität? Beck war nur Ideengeber, nie Hersteller. In der „Preisliste B über Gebrauchsartikel“ der Bayerischen Krystall-Glas-Fabriken, vorm. Steigerwald in Ludwigsthal findet sich ein Nachweis (S. 17) – eine „Geleedose cristall grüne Platten und Wellenschliff, ohne Goldrand 0,80, mit Goldrand 1,- (Mark)“.

Bekannt ist die frühe enge Kooperation Becks mit der Regenhütte und ihrem Ableger in Schliersee. Bis 1907 arbeitete der Betrieb erfolgreich, dann begann es zu kriseln. „Im ersten Krisenhöhepunkt ließ sich der Münchner ,Kunstkeramiker‘ Jean Beck von dem Hauptgläubiger der Steigerwaldhütte, der Pfälzer Bank, bewegen, sich an der Regenhütte zu beteiligen. Wenn man ihm glauben darf, war er um 1914 Hauptabnehmer der Regenhütte“ (Christiane Sellner, Gläserner Jugendstil aus Bayern, 1992, Grafenau). Aufzeichnungen von Entwürfen Becks für die von Isidor Gistl gepachtete Glashütte Poschinger in Frauenau sind erst ab 1916 belegt (das Hüttenbuch für eine frühere Zeitspanne ist wohl verloren), so dass für die Zeit davor bis zu einer Klärung angenommen werden darf, dass die Regenhütte Hauptlieferant für Gläser nach Entwürfen Becks und damit für die Glasprodukte mit „Platten“ und „Welle“ war. Weil in Regenhütte und Schliersee nach dem selben System gearbeitet wurde, spräche lediglich die für Beck bessere Erreichbarkeit von Schliersee dafür, dass ein Großteil seiner Entwürfe dort ausgeführt wurde. Es ist jedoch nicht völlig auszuschließen, dass Gistl 1906 bei seinem Ausscheiden als Verwalter der Regenhütte Entwürfe Becks mit nach Frauenau nahm. Belege hierzu fehlen.



Weitere Glaseinsätze für J. P. Kayser haben auf dem Boden einen Sternschliff, Hüttenmerkmal für die Regenhütte, können Beck aber nicht zweifelsfrei zugeschrieben werden. Sein einst entwickelter Entwurf verselbständigte sich, es gibt unterschiedliche Trinkgläser, Schnapsstamperl mit dem Wellendekor ohne Bezug zu Kayser. Unmittelbar nach Einführung der neuen Produkte aus Krefeld erschienen Würdigungen in den Kunstzeitschriften. Erste Belege anhand zeitgenössischer Photographien finden sich bei einer „Kompottschüssel“ mit zwei Henkeln aus Rotguss und einem „Weinkrug“, beide in einem Musterbuch vom „Kunsthaus Hohenzollern“, Berlin, mit der Bildunterschrift: „Arbeiten aus Glas mit Zinnfassung“ abgebildet. Das Kunsthaus Hohenzollern, Ecke Leipziger- und Wilhelmstraße, war um die Jahrhundertwende ein führender Anbieter qualitätvoller Objekte (Deutsche Kunst und Dekoration, 1904/05, Bd. XV, S. 183). Im Musterbuch 1907 von J. P. Kayser, finden sich Schüssel und Krug samt Abbildung unter Nummer 4600 (Ø 20 cm) und 3866 (1 l).

Zur Klärung der Zusammenarbeit von Beck und Kayser ist Schlussfolgerung oft das Mittel der Wahl. Nach freundlicher Auskunft von Gerhard Dietrich, Museum für angewandte Kunst, Köln „…gibt es über die Firma J. P. Kayser Sohn in Krefeld überhaupt keine Firmennachrichten oder -dokumente (außer den beiden Musterbüchern 1897 und 1907). Es gibt keine Ansichten der Firmengebäude, keine Wirtschaftsunterlagen, keine Geschäftsbücher, nichts…“.

Mit den Abbildungen ausgeführter und am Markt angebotener Stücke ist auch der Zusammenhang von Beginn und Verlauf der Tätigkeit Becks für Kayser im Jahr 1902 darstellbar: Beck und Kayser arbeiteten trotz erheblicher räumlicher Distanz mindestens 14 Jahre eng zusammen; der Münchner entwarf die Glaseinsätze und sorgte für Produkte in der gewünschten Qualität. Löst sich Kayser zu Beginn des 20. Jahrhunderts in seinen Entwürfen erst in langsamen Schritten vom Historismus hin zum floralen Jugendstil mit dem „Kayserzinn“ und dem berühmten „Daumendruck“ – sehr elegant und in individueller Handschrift in silbergrauem Metall gestaltet – , so liefert Beck unbekümmert und unbeeinflussbar ein Glas, das den Zinngefäßen einen gestalterischen Kontrapunkt verleiht, in gelassener Strenge und in buchstäblich punktueller Farbigkeit. Mit dem unverwechselbaren Dekor von „Platten“ und „Welle“, entwickelt und umgesetzt erstmals im Jahr 1902, gibt es bei Jean Beck nicht den geringsten Hauch von Historismus oder floralem Jugendstil. Aus diesem Gegensatz, zusammengeführt in ein und demselben Objekt, ergibt sich eine gelungene Spannung zwischen den Stilen: zwei zeitgemäße künstlerische und ästhetische Wege werden vereint.

Auch nachdem Kayser bald nach dem Krieg nicht mehr besteht, entwirft Jean Beck noch lange Zeit seine leuchtenden Glasobjekte, signiert sie aber überwiegend mit seinen Ätzstempeln.




 
Josef Stadler (1895 - 1977) war ein für Beck höchst wichtiger Mitarbeiter. Er hatte in der Hütte Schliersee das Graveurhandwerk gelernt und ging im Alter von fünfzehn Jahren nach Zwiesel, wo er in der Fachschule weiter ausgebildet wurde. Später war er für Jean Beck tätig in dessen Atelier in der Münchner Schwindstraße und vor Ort in der Regenhütte. 1932 wurde er einer der tragenden Säulen von GRAL- Glas bis in die Siebziger Jahre.

Das Gesellenstück Stadlers aus der Glasfachschule, eine Deckeldose in Kristallglas mit feinstem Schliff, wurde wiedergefunden und wird hier gezeigt.

 

 


   


   

Made in Germany

Auf einer roten Schale, zu deren Form es analoge, von Jean Beck signierte weitere Schalen gibt, finden sich zwei einzige Signaturen: ganz schwach JEAN BECK ohne jede Umrandung und „Germany“ in einem langgezogenen Achteck, das von Beck in kürzerer Form für die meisten seiner Signaturen verwendet wurde.
Dieses Glas ist neben dem Signaturstempel „Jean Beck Munich“ ein ausschließlich für den Export verwendetes Kennzeichen. Hintergrund ist eine Festlegung englischer Politik aus dem Jahr 1887, dass auf Gütern klar Hersteller und das Herkunftsland anzugeben ist. Dies diente dem Schutz der britischen Wirtschaft vor importierten Waren, die als von schlechter Qualität angesehen wurden.

Merchandise Marks Act, 1887

Erst später wurde aus dem zunächst diskriminierenden „Made in Germany“ ein Zeichen besonderer Qualität.

Diese Schale ist das bisher einzig bekannte Exemplar, das belegt, dass Beck auch für den britischen Markt gearbeitet hat.





Signaturstempel ohne Malerschilde

Selten sind achteckige Signaturstempel Becks mit dem Text „Jean Beck München“, bei dem die üblichen drei Malerschilde fehlen. Eine Begründung ist derzeit nicht zu finden, allerdings scheinen diese Signaturen erst ab 1926 verwendet worden zu sein, und zwar durchaus zeitgleich mit anderen Signaturen, wobei sich zum Ende der Schaffensperiode des vierundsechzigjährigen Beck auch der einfache kleine und große Achteckstempel mit „Jean Beck“ häuft.
Wie hilfreich bei der Datierung diese Erkenntnis ist, bleibt derzeit im Ungewissen.




Hans im Trend
- KUNST UND AUKTIONEN - Freitag, 26. August 2011 (pdf Seite 1 / pdf Seite 2 )
Kunst eines Unsichtbaren - Saarbrücker Zeitung - Freitag, 17. Juni 2011 (pdf)


Neugefundene Fakten - vertiefte Biografie

Über Jean Beck gab es lange Zeit mehr Vermutungen als Fakten. Häufig gibt es zu seiner Biografie nur eigene Aussagen - diese wurden dann von Neidern auch noch angezweifelt.
Langsam ändert sich dieser Zustand: ersetzt durch Dynamik des Suchens und Findens.
Bisher war klar: mit 14 Jahren begann Johann Beck 1876 eine Lehre in der Dekorationsabteilung von Villeroy & Boch in Mettlach und erwarb sich die Grundlagen. Das Skizzenbuch von 1879 und ein erster ausgeführter und signierter Entwurf eines Übertopfes ( 5.9.1879) sind Belege.
Dann gab es nur Becks Aussage des Besuchs der Königlichen Kunstgewerbeschule in München. Dies ist nun belegbar.
Vom 10. Mai 1881 datiert gibt es eine durch die K.(önigliche) Direktion erstellte Liste von Dozenten, Schülern und den Studienplan der Fachschule für Keramik an der Kgl. Kunstgewerbeschule München. Zu Ostern 1881 wurde diese Fachschule eröffnet, jetzt wird erstmals berichtet.
Die Schule bietet Lerninhalte an für Gefäßmaler und Modelleure, u.a. Freihandzeichnen, Technisches und Architekturzeichnen, Malen, Vorträge. Die Vorlesungen sind mit 44 Wochenstunden hoch angesetzt.


Hier findet sich neben Beck der Modelleur Hein von V&B - ein Zeichen, welch großen Wert die Firma auf die Weiterbildung ihrer Leute legte.
Aus Schlierbach/ Wächtersbach kam auf Empfehlung des dortigen Direktors Rösler der Maler Johannes Dautrich. Es darf vermutet werden, dass Becks spätere Zusammenarbeit mit Wächtersbach hier ihren Anfang fand, denn im Fürstlich Ysenburgischen Archiv steht zu Beck:
„ – 17.6.1891, Direktor Dr. Richard König an Rentkammer: ‚Der Maler J. Beck – den ich als Nachfolger von J. Dautrich im Auge hatte - hat geschrieben. Derselbe kommt im August besuchsweise zu mir. In feste Stellung will er vorläufig (unterstrichen) nicht, da er in Paris, Sèvres, Limoges durchstudieren(?) und später England durchwandern will. Dann ist er nicht abgeneigt. Der ist noch viel tüchtiger, genialer wie der seelige D. (Daudrich?). Wenn wir den bekommen könnten, ich hoffe es! Einstweilen will er für uns arbeiten…“
Die Aussage über Tüchtigkeit, Genialität lässt den Schluss zu, dass Beck viel früher schon für Wächtersbach gearbeitet haben muss, dass zumindest Arbeiten von ihm bekannt sein mußten - Fakten dazu gibt es derzeit nicht. Dies ist auch deshalb von Bedeutung, als es zu dieser Zeit kaum üblich war, Arbeiten von Entwerfern als deren Werk zu kennzeichnen. Die ausgeführten Werke blieben i.a.anonym.
Nach weitern Studien in Berlin, Dresden und Düsseldorf arbeitet Beck „…in leitender Stellung als Dekorationschef, Mal- und Zeichenlehrer bei V&B“ (Lebenslauf) und liefert Entwürfe für die verschiedenen Fabriken; ab 1890 arbeitet er auch für Wächtersbach.


RECHERCHE, RECHERCHE


Ein Hauptproblem der Zuschreibung ausgeführter Objekte ist i.a. das Nichtvorhandensein von Entwurfsunterlagen. Meist sind sie zerstört worden.
Bei Beck gibt es fast nur sekundäre Quellen.
Für die hier gezeigten Gläser kann die Zuschreibung über eine Publikation von 1916/17 und Zeichnungen im Hüttenbuch Poschinger 1918 erfolgen.
In Velhagen & Klasings Monatsheften werden im 31. Jg. 1916/17 auf einer Seite sechs "Gläser aus der kunstgewerblichen Werkstätte von Jean Beck in München" gezeigt, darunter zwei Vasen mit Verzierungen in Eichblattmotiv. Im Hüttenbuch Poschinger sind zwischen 15.1.1918 und 1.3.1918 u.a. diese beiden Vasenformen mit klaren Anweisungen zur Produktion gezeichnet. Zudem gibt es den Auftrag, die Produkte durch direkte Lieferung von der Hütte an Scholze (Franz Scholze München, Becks Maler) zu senden, wo sie in Schwarzlot bemalt werden sollen. Die ausgeführten Gläser erhielten einen Signaturstempel.

Beachtenswert ist der Zeitpunkt: in den Kriegsjahren 1917/18 ist nach allen Dokumenten die Herstellung nicht kriegsnotwendiger Waren eingestellt oder stark eingeschränkt worden. Beck selbst berichtet in einem Schreiben (Sammlung Lhotzky) darüber, auch davon, dass kaum Material zu bekommen ist und die Glasmacher zum Kriegsdiest eingezogen sind.

Siehe dazu auch DOKUMENTE mit Detailaufnahmen der Bemalung.

Legenden

Beck fordert Vermutungen heraus - die Datenlage ist zu oft unklar.

  • Theresienthal hat für Beck gearbeitet.
  • Diese Behauptung fusst auf auf einer Personenverwechslung zwischen Beck und Mauder und ist längst ausgeräumt.

  • Galvanisierte Gläser ohne Becks Signatur können diesem aufgrund aufgemalter Ziffern auf dem Boden zugeschrieben werden.

    Dafür gibt es keinen Beweis: in galvanischen Betrieben wurden häufig fortlaufende Produktionsziffern von Hand auf unterschiedliche Produkte aufgetragen - und: wo ist die Logik, ein von Beck bereits signiertes Glas ihm über diese Ziffern doppelt zuzuordnen? Es existiert von Beck signiertes Glas mit aufgemalten Produktionsnummern der Galvanisateure - das ist die Logik.
    Leider häufen sich diese unbewiesenen Behauptungen in jüngster Zeit in Auktionen und Ausstellungen.



    Zwei gleichartige galvanisierte Vasen tragen in fortlaufender Nummer neben Becks Stempel die Ziffern 399 und 400, woran erkennbar ist, dass diese Nummern mit dem Entwerfer Beck nichts zu tun haben, sondern in der Fabrik als Produktionsnummern aufgetragen wurden und somit ein immer wiederkehrender Rückschluss aus gemalten Ziffern auf Beck falsch ist.

  • Haertel war künstlerisch seiner Zeit voraus. Seine Entwürfe von 1917 haben große Ähnlichkeit mit denen von Prof. Jean Beck aus dem Jahr 1925. Nach Prof. Günter Grundmann gab es einen qualitativen Unterschied zwischen dem hochwertigen Bleikristall aus der Josephinenhütte und Gläsern aus bömischen Hütten. Deshalb haben Künstler wie Jean Beck und Prof Eiff sowie die Kunstgewerbeschule in Stuttgart und die Glasfachschule in Zwiesel das Rohglas für bestimmte Objekte aus Schreiberhau bezogen. Das* lässt* sich nachweisen anhand der Zeichnungen aus der Josephinenhütte, die mit Kundennamen versehen sind.
    (* rechtschriftlich an die Regeln angepasst)
    Dieser Text wurde entnommen dem Buch: JOSEPHINENHÜTTE von Stefania Zelasko, Glasmuseum Passau, 2009

    Etwas viel Böhmische Dörfer.

    1. Beck ist bereits seit Anfang des Jahrhunderts als Glasentwerfer tätig - der unbelegte Vergleich mit Haertel müßte viel früher ansetzen, um zu solchem Schluss zu kommen - und könnte zu einem Umkehrschluss werden. Zudem sind von Beck Entwürfe aus dem Jahr 1925 und später nur in wenigen nicht ausgeführten Entwurfsblättern der Regenhütte bekannt, das letzte belegbare Blatt mit in Wadgassen hergestellten Gläsern stammt von 1920 und greift deutlich auf frühere Entwürfe Becks zurück, wie auch Produkte der Hütten Gistl/Poschinger wesentlich frühere Ausführungen immer wieder aufnehmen.

    2. Beck bezog kein Rohglas aus Schreiberhau. Er war nur Entwerfer, nicht Veredler, und deshalb müssten Rohglasbezieher die Hütten Gistl, Poschinger und Regenhütte gewesen sein: ein sehr unwahrscheinlicher Vorgang. Nicht ausgeschlossen soll werden, dass Beck ein Einzelstück aus Schreiberhau zum Vergleich erworben hat, was ganz normal gewesen wäre und durchaus gebräuchlich war.
    Leider auch hier das Übliche: es wird beide Male behauptet und nichts belegt. Dies ist wissenschaftlich katastrophal ohne die Veröffentlichung der erwähnten Zeichnungen.
    Die Autorin möge doch Belege vorweisen: Entwürfe, zeitgenössische Abbildungen, ausgeführte Gläser mit Datierungsnachweis (keine Vermutungen!). Man darf gespannt sein.


Der „geschäftstüchtige“ Jean Beck.

Man kann es fast nicht mehr ertragen: immer wieder wird diese Wendung abwertend irgendwo abgeschrieben. Und nichts wird hinterfragt.

Beck musste arbeiten und verkaufen. Wie sollte er leben?
Er kam aus einfachen Verhältnissen in Mettlach; zu erben gab es bei den vielen Geschwistern auch nichts. Mit siebzehn Jahren verließ er erstmals den Ort, um zu lernen und zu arbeiten.
Als er später sich in München selbständig machte, war er auf sich alleine gestellt. Anders als in Wien oder in Darmstadt, wo die „Moderne“ öffentliche Resonanz und, vor allem in Darmstadt, Unterstützung durch den „Hof“ fand und sich in Wien mit dem Glasverleger Bakalowits ein einflussreicher Auftraggeber fand, musste Beck so „geschäftstüchtig“ sein, auf Messen zu gehen und seine Waren anzubieten. Riemerschmid entwickelte daraus eine wahre Phobie - und heutige Schreiber pinseln ab, ohne zu hinterfragen.

Eine Frage könnte sein, wie Beck es schaffen sollte, sein Wohnhaus und das Rückgebäude mit ebenerdigem Atelier in Münchens Schwindstraße zu finanzieren, das ihn bei nur 12,5% Eigenkapital mit gewaltigen Hypotheken drückte. Ein bisschen Lebenswirklichkeit möchte schon sein.

So bleibt es beim abwertenden „geschäftstüchtig“. Nur schade, dass ein von Bayern mit öffentlichen Mitteln gefördertes Museum diese Wendung gebraucht, wenn es ein klein wenig zu recherchieren versucht…Dem Menschen Beck gerecht wird man so nicht.


Ein derzeit noch reichlich undurchsichtiges Kapitel Beck´scher Entwurfstätigkeit ist die große Keramikfabrik Waechtersbach mit damals Hunderten von Beschäftigten. Beck wurde dorthin 1891 - 93 aus München geholt, um als Entwerfer und Zeichenlehrer tätig zu sein - sein Einfluß muß groß gewesen sein, die Dokumente fehlen weitgehend.
Es wird geforscht, erste Originale fanden sich.
Im SAMMLERJOURNAL findet sich demnächst ein erster Beitrag zu Beck und Waechtersbach.